Jusos Bruchsal unterstützen Streiks der Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) und fordern eine angemessene Vergütung

Veröffentlicht am 12.12.2011 in Pressemitteilungen

Unter dem Motto „Psychotherapeuten in Ausbeutung“ finden derzeit vielerorts Streiks der betroffenen Psychologinnen und Psychologen statt. Hintergrund dieser Streiks ist das Psychotherapeutengesetz von 1999, welches zwar den Begriff des Psychologischen Psychotherapeuten als geschützten Beruf eingeführt hat, jedoch erkennbare Mängel aufweist. So schreibt dieses Gesetz keine geregelte Vergütung für die eineinhalbjährige praktische Tätigkeit während der postgradualen Weiterbildung vor. Zur Folge hat diese Gesetzeslücke, dass die ausbildenden Kliniken die Vergütung selbst regeln. Im Schnitt erhalten die Psychologinnen und Psychologen etwa 500 Euro im Monat bei einer Vollzeitbeschäftigung, die Hälfte aller Weiterbildenden arbeitet sogar zum Nulltarif (Quelle: Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie e.V.). Was weiterhin unbekannt sein dürfte, ist die Tatsache, dass eine postgraduale Weiterbildung im Bereich Psychotherapie privat finanziert werden muss und man als Psychologin und Psychologe in Weiterbildung mit mehr als 10.000 Euro zusätzlichen Kosten allein für die Weiterbildung rechnen muss. Lebenshaltungskosten sind hier nicht eingerechnet.

Die Jusos Bruchsal solidarisieren sich mit den PiAs und unterstützen die Streiks: „Wir können beobachten, dass der Bedarf an qualifizierten Therapeutinnen und Therapeuten in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Wenn wir weiterhin dafür sorgen, dass derartige Barrieren im Rahmen der Weiterbildung von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten erhalten bleiben und sich diese Menschen in teilweise prekären Lebensverhältnissen befinden, kann auf Dauer nicht garantiert werden, dass der Bedarf an Psychotherapie gedeckt wird. Wir fordern daher eine angemessene Vergütung innerhalb der Ausbildung, die jener entspricht, welche Psychologinnen und Psychologen im öffentlichen Dienst erhalten. Man muss bedenken, dass es sich um qualifiziertes Personal mit abgeschlossenem Universitätsstudium handelt. Daher sollte uns als Gesellschaft die Arbeit dieser Menschen auch entsprechend wert sein“, sagte Marko Vidakovic, Pressesprecher der Jusos Bruchsal und seinerseits selbst Psychologe.

Weiterhin fordern die Jusos Bruchsal die Abschaffung der horrenden Weiterbildungsgebühren: „Aus unserer Sicht bewirken diese Gebühren eine Selektion nach soziodemographischen Kriterien, die vor allem in diesem Berufsfeld schädlich ist. Wir benötigen dieses Personal dringend und sollten die Hürden auf dem Berufsweg abbauen. Wir können es uns nicht leisten, dass Menschen mit kleinem Geldbeutel diesen Berufswunsch nicht verwirklichen können, aber andererseits die Wartelisten bei Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mancherorts so lang sind, dass man ein halbes bis ein Jahr auf einen Therapieplatz warten muss“, teilte Fabian Verch, Vorsitzender der Jusos Bruchsal, mit.

Die Jusos Bruchsal haben beschlossen, stärkeren Druck auf die Politik auszuüben. So sollen alle Fraktionen im Bundestag angesprochen werden mit der Bitte um Gesetzesänderung. Gleichzeitig werden die Jusos Bruchsal selbst einen Antrag zur Gesetzesänderung an geeigneter Stelle einbringen und die künftige SPD-geführte Bundesregierung zur Unterstützung auffordern.

 

Social Media

Bild

SPD Bruchsal

SPD-Gemeinderatsfraktion Bruchsal

Unser Landesverband

Bild